Arbeiten in Guatemala

Oft werde ich gefragt, wie es mich nach Guatemala verschlagen hat und wie es so sei an einer Auslandsschule zu arbeiten. Ersteres ist eine längere Geschichte, aber zum Arbeiten an der Auslandsschule kann ich gern was schreiben.

Unsere Schule bietet vom Vorkindergarten bis zum Abitur alles. In der Grundschule haben wir 4 erste, 3 zweite, 3 dritte und 3 vierte Klassen. Pro Klasse haben wir zwischen 20 und 28 Schüler, die meisten davon Guatemalteken mit nur geringen Deutschkenntnissen.
Nach und nach werden auch die anderen Klassen vierzügig.Deshalb wird im Moment an einigen Stellen gebaut, und man kann wohl sagen, dass unsere Schule wächst.
Da wir sowohl auf den guatemaltekischen Bachilerato als auch auf das Abitur vorbereiten, müssen wir schon in der Grundschule klare Maßstäbe setzen. Darum haben die Kinder von Anfang an drei Hauptfächer. Und das ist ganz schön schwer.
Alphabetisiert wird in der ersten Klasse in der Muttersprache, also Spanisch. Im Deutschunterricht versuchen wir im ersten Schuljahr mehr den mündlichen Ausdruck und die Freude am sprechen zu fördern, und führen nur wenige Buchstaben ein, die im Spanischen nicht so gebräuchlich sind. Trotzdem haben wir unsere eigene Anlauttabelle, die auf ganz grundsätzlichen leicht verständlichen Bildern aufbaut. Ofen zum Beispiel ist für einen Fremdsprachenschüler viel schwieriger zu merken als Oma. Eine Oma haben ja die meisten.
Am Ende der Klasse 4 machen alle Schüler eine Sprachprüfung A1, am Ende der Klasse 6 eine A2 Prüfung. Bei diesen internationalen Vergleichsarbeiten, die wir zusammen mit der österreichischen Schule durchführen, können die Kinder unter Beweis stellen, was sie schon alles können.
Für den Unterricht heißt das aber auch, dass wir uns von Anfang an Themen orientieren müssen, die die Anforderungsprofile dieser Vergleichsarbeiten abdecken. Da muss man erst einmal umdenken.
Und auch wenn der Unterricht nicht genauso läuft wie in Deutschland, so ist es doch sehr interessant zu sehen, wie die Kinder wirklich Fortschritte machen und nach und nach immer besser Deutsch können.
Ich würde sagen, dass wir eine sehr nette Grundschule haben, sogar mit zwei sehr lieben Grundschullehrern. Das hat ja auch nicht jede Schule :)

An der Mittel und Oberstufe werden die Kinder auf das Abitur vorbereitet, bzw. auf den Bachilerato.  Die Klassengröße ist hier kleiner als in der Grundschule. Aber im Gegensatz zur Grundschule wo nur Mathe, Deutsch und Kunsterziehung auf Deutsch gehalten werden, kommen hier noch Biologie und Geschichte auf Deutsch hinzu.

Neben Deutsch werden natürlich auch Spanisch und Englisch unterrichtet, so dass die Kinder wenn alles gut läuft dreisprachig die Schule verlassen.

Für mich skurril: Wir hatten gerade Winterferien im Juni und die Weihnachtsferien im November-Dezember sind eigentlich Sommerferien. Guatemalteken unterscheiden nämlich nur Sommer und Winter, Winter ist in der Regenzeit, und Sommer, wenn es trocken ist.

Da könnt ihr euch bestimmt gut vorstellen, dass manches Kind durcheinander kommt, wenn ich mit vier Jahreszeiten anfange und das man Weihnachten im Winter feiert...

So spannend können kulturelle Unterschiede sein. Und deshalb kann ich nur jedem empfehlen, mal über eine Zeit im Ausland nachzudenken.

Kommentare:

  1. Liebe Jasmin,
    vielen Dank für deinen Einblick in eine guatemaltekische Schule. Klingt ja echt nett.
    LG
    Betti

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  2. Liebe Jasmin,
    wenn auch verspätet, möchte auch ich mich bei dir für den ausführlichen Bericht bedanken. Ich habe selber viele Jahre damit geliebäugelt, ein paar Jahre an einer Auslandsschule zu unterrichten. Leider war ich dann nie so mutig es auch zu wagen und bin mittlerweile familienbedingt in Deutschland verwurzelt.
    Ich bin sehr interessiert (und neugierig) und hätte noch einige Frage ... Vielleicht magst du sie beantworten?
    Wie hat es dich denn nach Guatemala verschlagen? Bist du über eine offizielle Ausschreibung an die Stelle gekommen und bekommst du ein deutsches Gehalt oder arbeitest du als Ortslehrkraft? Ist dein Vertrag befristet oder planst du erstmal keine Rückkehr nach Deutschland? Wie waren deine Spanischkenntnisse bei deiner Ankunft? Und wie kommt es, dass ihr einen so hohen Anteil an Guatemalteken habt? Ich dachte immer, an deutschen Schulen im Ausland wären überwiegend Kinder, die ein deutschsprachiges Elternteil hätten.
    Viele liebe Grüße, Martha

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    1. Solche Fragen beantworte ich gern per E Mail. Denn es gibt Sachen, die muss man ja nicht fuer alle ins Internet stellen.

      Liebe Gruesse,

      Jasmin

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