Masern Teil 2 - wie die Faust aufs Auge

Nachdem die letzte Woche wie im Flug verging, hatte ich nun endlich etwas Zeit über meine gelungene - wenn auch den Umständen entsprechend unpassende - Unterrichtsvorbereitung nachzudenken:

Ich hatte mir in diesem Jahr überlegt, meine Erstklässler am ersten Schultag nach der Einschulung im Ärztekittel zu überraschen. (Bei uns findet die Einschulungsfeier in der Schule statt, danach kommen die Schüler mit den Schultüten in die Klasse, wir packen gemeinsam die Schultüten aus. Ich erzähle eine Geschichte, danach kommen die Paten aus der Dritten Klasse, verbringen eine Pause mit den neuen Erstklässlern und dann dürfen diese nach Hause. Am nächsten Tag startet dann der Unterricht nach Stundenplan)
Ich hatte mir das so gedacht. Ich komme mit dem Kittel und einem selbstgebastelten Stethoskop in die Klasse: So wie die Spielzeugärztin. Das bringt die Kinder zum Lachen und die erste Spannung legt sich. Dann horche ich mal, ob die Kinder aufgeregt sind... Ich tue so, als könne ich den Herzschlag mit dem Filzstethoskop hören... und stelle fest: Nur 4 Kinder sind aufgeregt, sie brauchen Gummibärchen Vitamine.

Natürlich rufen die anderen dann: Wir sind auch aufgeregt... und sogar meine Team Teach Kollegin gibt zu: Ich bin auch aufgeregt... (es ist ihre erste Erste Klasse, nach 20 Jahren Unterricht in der Mittelstufe). Also bekommen alle ein paar Fruchtgummi-Vitamine.

Die Stimmung ist fröhlich und die Kinder arbeiten klasse mit.

Am Ende des ersten Tages bekommen alle ein Sternchen auf die Stirn: Hier in Guatemala gibt es so einen Spruch: wenn du gut in der Schule bist, bekommst du ein Sternchen auf die Stirn. Und kleine Kinder bekommen beim Arzt auch einen Sticker.

Ich habe glückliche Kinder und glückliche Eltern am Dienstag:

Am Mittwoch besprechen wir, was ein gang zum Arzt und zur Schule gemeinsam haben: Bei beidem will man besser werden. (Auf Spanisch ist es sogar das gleiche Verb: mejorar), nur das Schule viel cooler ist, weil man auch Freunde trifft, sich nicht mies fühlt und fürs besser werden lernen muss, aber keine Spritze bekommt, oder bittere Medizin nehmen muss.

Wir besprechen auch, dass manche Ärzte ganz unsauber schreiben und man die Schrift so nicht gut lesen kann... Das passt gut, denn ich habe für die Kinder einen Bleistift mit Schreiblernhilfe vorbereitet, damit sie den Bleistift von Anfang an gut greifen.

Für den Donnerstag habe ich ein Spritzen-Lesezeichen mit dem Namen der Kinder vorbereitet, damit sie in ihrem Hausaufgabenheft die Seite schnell finden. Doch zum Austeilen kam ich nicht, weil wir so viel Spaß bei den Kennenlernspielen hatten, dass uns die Zeit nur so davon flog. Besonders das durch den Reifen kletter Spiel machte meiner Gruppe viel Freude.

Naja und ihr ahnt es... als ich am Freitag die Lesezeichen Spritzen in die Hausaufgabenhefte kleben will, da kommen die Masern und die Weltgesundheitsorganisation dazwischen.

Am Samstag werden ca. 80 Prozent der Schulgemeinschaft geimpft... und am Montag, da gab es dann meine Lesezeichen... Die Eltern meinen jetzt, ich hätte das geplant mit den Masern...aber nein, das ist nur das ganz normale Grundschullehreralltagschaos! Egal wie gut man plant, manchmal kommt es einfach anders...

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